Dieser Artikel bietet einen Überblick über die kontextuellen Aspekte von Ernährung, Kultur und Ethik in den aufkommenden multikulturellen Gemeinschaften in europäischen Ländern und darüber, wie diese Gemeinschaften auf kulturellen Austausch sowie auf Integrationsmaßnahmen und Sensibilisierungsaktionen vor Ort aufbauen können. Er dient als Kommunikationsinstrument, um das Bewusstsein zunächst in den lokalen Gemeinschaften sowie bei jenen zu fördern, die Unterbringung und soziale Integrationsunterstützung für Migrant:innen und Geflüchtete anbieten – aber auch bei den öffentlichen Behörden und der europäischen Gesellschaft insgesamt.
Der Bericht beginnt mit den Entwicklungen in Griechenland und der Reaktion der Zivilgesellschaft in einem nationalen Umfeld, in dem die Herausforderungen im Umgang mit einer erheblichen Zahl ankommender Geflüchteter und der Integration der migrantischen Bevölkerung immer größer werden.
Ein Blick auf den griechischen Kontext
In den letzten drei Jahrzehnten – besonders in den letzten 15 Jahren – hat die Ankunft von Migrant:innen die kulinarische Landschaft Griechenlands maßgeblich beeinflusst und das lokale Speiseangebot diversifiziert. Neben traditionellen griechischen Gerichten auf Fleisch- oder Fischbasis hat der Einfluss migrantischer Gemeinschaften eine Vielzahl neuer Aromen und Kochmethoden in die griechische Küche gebracht. Dies ist besonders in städtischen Gebieten wie Athen, Thessaloniki, Patras, Volos, Ioannina und Kavala zu beobachten, wo heute vermehrt Gerichte aus dem Nahen Osten, Südasien und Nordafrika wie Falafel, Shawarma, Kebabs und Hummus angeboten werden.
Die stetigen Flüchtlingsankünfte seit 2014/15 sowie der Anstieg der migrantischen Bevölkerung haben den Handlungsrahmen für die Aktivierung der Zivilgesellschaft in Griechenland geschaffen und zur Entstehung zahlreicher Aktivitäten und Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung geführt – darunter auch solche, die sich mit kulinarischer Kunst und multikulturellem Kochen beschäftigen.
Ein Beispiel ist die jährliche Initiative des UNHCR (UN-Flüchtlingshochkommissariat), das Festival „Cooking#WithRefugees“ mit Unterstützung von Organisationen der Zivilgesellschaft und anderen Akteuren zu veranstalten. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Notwendigkeit zu schärfen, Geflüchteten zu helfen, ihre Fähigkeiten auszubauen, sich zu stärken, Zugang zu Chancen zu erhalten und letztlich in den Arbeitsmarkt einzutreten. Im Juni 2025 kehrt das Festival im Rahmen des Weltflüchtlingstags erneut nach Athen zurück und bietet kulinarische Erlebnisse, die den kulturellen Austausch als Mittel der sozialen Inklusion in den Mittelpunkt stellen.
Der Weltflüchtlingstag ist eine Gelegenheit für die europäischen Gesellschaften – und insbesondere für die lokalen Gemeinschaften in Griechenland – sich auf jene Geflüchteten zu konzentrieren, die mit uns leben, mit uns arbeiten, täglich kämpfen und durch ihre Arbeit und Integration Hoffnung schöpfen. Aus diesem Anlass werden alle bewussten Bürger:innen eingeladen, an Veranstaltungen teilzunehmen, den Tag zu ehren und die Angebote griechischer, migrantischer und geflüchteter „Köch:innen“ zu verkosten, die gemeinsam in verschiedenen Restaurants im Großraum Athen auftreten – inspiriert von der mediterranen und vorderasiatischen Küche.
Gleichzeitig werden Aromen aus der arabischen, nahöstlichen und weiteren außereuropäischen Küche die Umgebung vor dem antiken Theater in der Fußgängerzone Venizelou-Straße in Larissa erfüllen. Dort werden Einwohner:innen, Besucher:innen sowie Migrant:innen und Geflüchtete aus der Region Larissa am Mittwoch, den 7. Mai ab 19:00 Uhr ihre Erfahrungen teilen. Diese Veranstaltung ist Teil des Festivals „Tastes of the World“, organisiert von der Gemeinde Larissa mit Unterstützung des Verbands thessalischer Unternehmen und Industrien sowie der lokalen öffentlichen Arbeitsvermittlungsstelle (PES). Das Festival, das erste seiner Art in der Region, wird auch vom Büro des Vizebürgermeisters für Sozialpolitik und vom Migrant:innen-Integrationszentrum (KEM) unterstützt.
Ziel der Veranstaltung ist es, Multikulturalität, Geschmäcker und Traditionen aus aller Welt zu vereinen. Dabei übernehmen die Schüler:innen des Ausbildungsprogramms (EPAS) des Berufsbildungszentrums für Gastronomie der PES in Larissa die kulinarische Umsetzung – gestärkt durch ihre Professionalität und Leidenschaft. Das Festival soll den kulturellen Austausch und das gegenseitige Verständnis zwischen der lokalen Gemeinschaft und Geflüchteten aus Drittstaaten fördern, die Vielfalt und Solidarität stärken und die soziale Integration auf lokaler Ebene ausbauen.
Die Migration hält an
Es ist hervorzuheben, dass solche Sensibilisierungsmaßnahmen auf lokaler Ebene in einem unsicheren Umfeld stattfinden, das sowohl die östlichen als auch die südöstlichen Grenzen Europas betrifft. Die gegenwärtigen Bedingungen erfordern intensive Anstrengungen, um den zunehmenden Anforderungen an die Aufnahme und Integration von Geflüchteten und Migrant:innen gerecht zu werden – insbesondere in den Grenzländern, aber nicht nur dort.
Der großflächige Krieg in der Ukraine hat einen massiven Anstieg humanitärer Bedürfnisse ausgelöst, sowohl durch die große Zahl an Binnenvertriebenen als auch durch die Flüchtlingsströme. Laut dem jüngsten UNHCR-Bericht wurden rund 6.225.700 ukrainische Geflüchtete in Europa registriert, davon 6.167.100 mit Asylstatus, vorübergehendem Schutz oder ähnlichen nationalen Schutzprogrammen. Bis Ende Oktober 2024 waren 3,55 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben.
Gleichzeitig kamen im Oktober 2024 rund 8.700 Geflüchtete und Migrant:innen über Land und See nach Griechenland – das sind 6 % mehr als im Vormonat und 20 % mehr als im Oktober 2023. Die türkischen Behörden meldeten im Oktober die Rettung oder Abwehr von 5.084 Geflüchteten und Migrant:innen auf See, 21 % weniger als im Vormonat.
Dieses Bild für Griechenland steht im Kontrast zu den europaweiten Zahlen im gleichen Zeitraum: Etwa 20.000 Geflüchtete und Migrant:innen erreichten Europa über das Mittelmeer und die nordwestafrikanischen Seewege – 13 % weniger als im September und 45 % weniger als im Oktober 2023. Die Zahlen zeigen, dass die Ankünfte in anderen EU-Grenzländern im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen sind. In Italien sanken die Ankünfte im Vergleich zum Vormonat um 26 % und im Vergleich zum Oktober 2023 um 44 %. In Spanien erreichten im Oktober 2024 rund 5.000 Geflüchtete und Migrant:innen das Land – ein Rückgang um 24 % gegenüber dem Vormonat und um 72 % gegenüber Oktober 2023.
Was die maritimen Routen in Südosteuropa betrifft, so erreichten oder durchquerten im Oktober 2024 etwa 2.220 Personen die Subregion im Rahmen gemischter Migrations- und Fluchtbewegungen – 11 % mehr als im Vormonat (2.000), aber 35 % weniger als im Oktober 2023.
Diese Zahlen belegen eine instabile Lage an den östlichen und südlichen Außengrenzen der EU (insbesondere den maritimen Mittelmeerwegen), was verstärkte Sensibilisierungsmaßnahmen durch lokale Gemeinschaften in den europäischen Ländern erforderlich macht – etwa durch kulturellen Austausch, kulinarische Veranstaltungen und gemeinsame Erlebnisse. So können die Aufnahme und soziale Integration von Geflüchteten wirksamer gestaltet werden.